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Fritz Rau (Lesung: 50 Jahre Rolling Stones und 50 Jahre American Folk & Blues Festival)

 

Fritz Rau (Lesung: 50 Jahre Rolling Stones und 50 Jahre American Folk & Blues Festival)

Foto: Hans Kumpf

Fritz Rau wurde als Sohn eines Ittersbacher Schmieds geboren. Er besuchte das Eichendorff-Gymnasium in Ettlingen, wo er auch Schülersprecher war und studierte dann Jura in Heidelberg. Bereits im Studium engagierte er sich in dem Jazz-Club Cave 54 in Heidelberg.

Am 2. Dezember 1955 veranstaltete er sein erstes grosses Konzert in der Heidelberger Stadthalle mit Albert Mangelsdorff, das mit 1.400 Besuchern weit über dem üblichen Publikumsinteresse bei deutschen Jazzclubs lag. Der Konzertagent und Jazz-Promotor Horst Lippmann wurde dadurch auf ihn aufmerksam und engagierte ihn als Kofferträger für die Tournee-Reihe Jazz at the Philharmonic des US-amerikanischen Impresarios Norman Granz. Nach dem Studium arbeitete Rau als Gerichtsreferendar in Rheinland-Pfalz und übte weiterhin die Nebentätigkeit als Tourneeleiter aus. So wurde er der verantwortliche Konzertorganisator der Deutschen Jazz Föderation. 1963 bot ihm sein Freund Horst Lippmann eine Zusammenarbeit an. Sie gründeten daraufhin die Konzertagentur "Lippmann + Rau", die durch die Organisation des American Folk Blues Festivals mit einem Schlag bekannt wurde. Gemeinsam mit Lippmann hat Rau auch die Plattenlabel Scout und L+R (Lippmann + Rau) gegründet und betrieben. 1989 fusionierte Lippmann + Rau mit der Agentur "Mama Concerts" von Marcel Avram zu "Mama Concerts und Rau". 1998 folgte die Ausgründung zur "Fritz Rau GmbH". Seit 2001 arbeitet Rau als unabhängiger Produzent und Toureeorganisator.

Rau hat mit allen Musikgrössen der Pop-Kultur zusammengearbeitet, wie etwa Joan Baez, den Rolling Stones, Peter Maffay, Scorpions, Tina Turner, Michael Jackson, Charles Aznavour, Bob Dylan, Marlene Dietrich, Ella Fitzgerald, Doors, Les Humphies Singers, Miles Davis, Frank Zappa, Rory Gallagher,Who, David Bowie, Freddie Mercury und Queen, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Udo Lindenberg, Udo Jürgens, Gitte Haenning, Nana Mouskouri, Madonna, Prince, Eric Clapton, Rod Stewart, Harry Belafonte, ABBA, Ton Steine Scherben bis hin zu Albert Mangelsdorff. Ausserdem war er bis 2005 langjähriger Organisator von Jethro Tull und ist bis heute mit deren Bandleader Ian Anderson eng befreundet. Waren es anfänglich noch vorwiegend Musiker der Jazz- und Bluesmusik, deren Tourneen er organisierte, verlagerte er mitdem Aufkommen der Hippie-Bewegung ähnlich wie der Musikproduzent Ertegün sien Interesse auf die Rock- und Popmusik. Raus tatkräftige, aufbrausende Art brachte ihm den Spitznamen "Ayatollah Choleri" ein. Seine juristische Ausbildung war ihm bei geschäftlichen Konflikten ein hilfreiches Mittel, seine Interessen durchzusetzen.

Die Tourneplakate der Konzertagentur Lippmann+Rau gestaltete der Grafik-Designer Günther Kieser, der in seinem meist surrealistischen Werken die Visualisierung der Musik anstrebte und für die entstehende Strassenkunst der Konzertplakate stilprägend war. Populär ist Kiesers Entwurf zu Jimi Hendrix, aus dessen voluminöser Haarmähne zahlreiche Stromkabel medusagleich hervorschlängeln.

1983 unterstützte Rau, bekräftigt durch Petra Kelly, die junge Partei Die Grünen in ihrem Bundestagswahlkampf, indem er die grüne Raupe organisierte. Hierbei handelte es sich um Polit-Veranstaltungen, bei denen grüne Redner Ansprachen hielten und der Friedensbewegung nahe stehende Bands unentgeltlich für den musikalischen Rahmen sorgten.

Einen Tag nach der erfolgreichen Bundestagswahl 1983 trat Fritz Rau aus der Grünen-Partei aus. Mittlerweile vertritt der Konzertveranstalter die Ansicht, dass "es nicht Aufgabe von Künstlern sein kann, ihre Popularität und ihr Können als sachfremdes Argument in den Wahlkampf einzubringen".

Als Madonna 1987 auf Europatournee ging und ihren einzigen Deutschlandauftritt im Frankfurter Waldstadion absolvierte, bot Veranstalter Rau in gemeinsamer Planung mit der Deutschen Bundesbahn 20 Sonderzüge mit je 1000 Fahrplätzen an, die aus der ganzen Bundesrepublik zum Konzertort hin- und zurückfuhren. Diese Aktion lief unter dem Namen "Rock´n´Rail", die Bahn schaltete dazu im Vorverkauf bundesweit eine ganzseitige Werbeanzeige in der Bild-zeitung. Der Bahnhof Sportfeld in Frankfurt wurde vorübergehend in "Bahnhof Madonna" umbenannt. Während der Fahrt wurde in jedem Zug unter den Mitreisenden eine "Miss Madonna"-Wahl abgehalten.

Fritz Rau förderte deutschsprachige Rockmusiker wie Udo Lindenberg oder Peter Maffay. Einer weiteren kommerziell erfolgreichen wie umstrittenen Rockgruppe mit deutschen Texten, den Böhsen Onkelz, verweigerte er jedoch die Zusammenarbeit. "Ich habe keine Lust, eine Tournee mit den Böhsen Onkelz durchzuführen, weil ich der Meinung bin, dass sich die Böhsen Onkelz nicht von ihrer Vergangenheit, die äusserst bedenklich ist, seit den früheren Platten, vor acht bis zehn Jahren, distanziert haben", erklärte Fritz Rau in der Fernsehsendung ARD-Kulturreport am 31.1.1993.

In seiner 2005 erschienenen Biographie "50 Jahre Backstage-Erinnerungen eines Konzertveranstalters" zieht er auf humorvolle Weise Bilanz eines reichen und erfüllten Lebens. Das Buch ist seiner verstorbenen Frau Hildegard und seinem langjährigen Partner Horst Lippmann gewidmet.

Fritz Rau erhielt 1995 den "Echo" der Deutschen Phonoindustrie für die Co-Produktion von "Tabaluga und Lilly" mit Peter Maffay, 2001 den "Echo" für sein Lebenswerk und 2003 den SWR1 Blues Preis.
1998 erhielt Fritz Rau den hessischen Verdienstorden und 2002 das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.  


http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Rau
http://www.welt.de/print-wams/article134527/Die_Rolling_Stones_Das_waren_Schuljungen.html?print=yes